Notizen für Anfänger

Wann beginnt der nächste Kurs? 

Wenn jemand in diese Welt hineingeboren wird, beginnt sein/ihr Leben. Dies bedeutet aber nicht, dass die Erde stehen bleibt und ein neuer «Kurs» beginnt. Aikido, wie das Leben, bewegt sich nach Naturgesetzen und ist ein kontinuierlicher Strom. Wir legen dem/der AnfängerIn daher nahe, Aikido nicht als Kurs, sondern als lebenslange Lernerfahrung zu sehen. Da gibt es keinen neuen Kurs, du beginnst einfach damit, in den Strom zu steigen (auf die Matten treten), wenn du dich dazu bereit fühlst. 

 

Aikido – eine reine Kunstform

Wenn man eine Kustform, z.B. die Musik, zu erlernen beginnt, erwartet man nicht, nach 10 Stunden in der Tonhalle aufzutreten. Der/die Schülerin erwartet vielmehr, seine/ihre Anfangszeit damit zuzubringen, sein/ihr Instrument, die Notenschrift und gewisse Basistechniken kennenzulernen. Gleichermassen muss der/die neue AikidoschülerIn sein/ihr Instrument, das heisst sein/ihr Körper, kennenlernen. Andere Basistechniken wie zeitliches Übereinstimmen, Bewusstsein für die Energien, Fallen etc., bringen den/die Schülerin in Harmonie mit sich selbst und den anderen. Fortschritte in schwierigen Techniken werden zur rechten Zeit auftreten, genau wie auch ein Musiker schwierigere Stücke mit der Zeit zu spielen lernt. 

 

Eine geteilte Lernerfahrung

Aber wie lerne ich die Basis, wenn andere offensichtlich weiter sind?

Und oft schwierigere Techniken ausführen, bei denen ich überfordert bin?

Verständlicherweise ist der/die AnfängerIn besorgt, weil der/die LeherIn ja nicht um seinet/ihretwillen neu beginnt. Das Leben beginnt nicht immer neu, wenn jemand geboren wird. Gemäss unserer Erfahrung macht ein/e AnfängerIn grössere Fortschritte in kürzerer Zeit, wenn er/sie einfach hineinspringt und mitmacht. Du wirst schnell merken, dass die fortgeschrittenen SchülerInnen Verständnis für deine Situation aufbringen und daran interessiert sind, dir zu helfen und sich darüber sehr bewusst sind, dass es notwendig ist, sorgsam mit dir zu arbeiten. Bitte habe nicht das Gefühl, ihre Fortschritte zu hemmen, weil du AnfängerIn bist. Es ist für ihren Fortschritt wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, dir das Gelernte weiterzugeben. 

 

Freue dich, eine AnfängerIn zu sein!

Fühlst du dich am Anfang etwas ungeschickt und unkoordiniert?

Gut! Du bist normal. Von AnfängerInnen wird erwartet, etwas unbeholfen zu sein. Es ist nicht ungewöhnlich für SchülerInnen, sich selbst unnötigerweise Vorwürfe zu machen, wenn sie nicht so schnell verstehen und Fortschritte machen. Sie versuchen es so verzweifelt, dass dieser Versuch den eigentlichen Fortschritt behindert. Entspanne Dich! Gehe ins Training mit offenem Sinn und Freude heran. Lasse dich nicht so sehr von deinem fernen Ziel gefangennehmen, dass du darüber das Hier und Jetzt mit all seiner Freude verpasst. Merke dir, du kannst im Training ernsthaft und seriös sein, und trotzdem das Leben geniessen.  

 

Kurt Bartholet und Michael Spitz