Geschichte des Aikido in der Schweiz und vom Dojo Luzern

Aikido in der Schweiz

Um 1950 haben in Europa einige Judo und Jiu-Jitsu-Praktikanten begonnen, eine Jiu-Jitsu-Form zu entdecken, die viel fliessender und feiner war als die bekannten Formen.

Der japanische Meister Tadashi Abe hat diese Kunst unterrichtet, nämlich AIKIDO.

Man trainierte oft nach dem Judo-Training, als Ergänzung und als Selbstverteidigungsübung.

Tadachi Abe war ein Original.

Man erzählt noch heute von einem Stage in Marseille. Zu Beginn des Trainings grüsste man wie gewohnt auf den Knien. Dieser Gruss zog sich in die Länge. Der Meister wollte und wollte sich nicht wieder aufrichten. Das dauerte, bis man merkte, dass dieser eingeschlafen war.

Zu dieser Zeit nahm ein Genfer Praktikant, der Swissair-Pilot Micky Schaaning während seiner Aufenthalte in Japan Privatlektionen im Honbu-Dojo in Tokyo.

Er hielt sich auch oft in Bankok auf, wo er sich Zeit nahm, kleine Männchen zu zeichnen und mit Pfeilen und Kreisen zu versehen. Diese sandte er , samt Kommentaren seinem Lehrer Jean-Georges Vallée nach Genf.

Dieser unterrichtete nach diesen Angaben.

Mickys Lehrer in Tokyo war Tamura Sensei.

Als früher Schüler von Tadashi Abe reiste André Noquet nach Japan, wo er auf Empfehlung seines ersten Meisters im Honbu-Dojo als Schüler von O-Sensei empfangen wurde. Nach drei Jahren kehrte er nach Europa zurück und begann Unterricht zu erteilen.

1955/56 kam er oft nach Genf, dann nach Thonon an die Sommer-Stages.

Hier erhielten die ersten Schweizer Praktikanten die Grundlagen des Aikido und versuchten dann in ihren eigenen Dojos diese Techniken weiterzugeben.

An dieser Stelle muss man auch einen Zürcher Kaufmann erwähnen, Jack Boetschi, der aus geschäftlichen Gründen nach Japan auswanderte. Er entdeckte Aikido und begann ernsthaft zu trainieren. Er nahm auch an öffentlichen Demonstrationen mit
O-Sensei teil, was in einem Film belegt ist.

Boetschi gab während seiner Ferien Kurse in Zürich.

Zur gleichen Zeit kam auch ein 18-jähriger Auslandschweizer, dessen Eltern in Japan lebten, in die Schweiz um zu studieren.

Er gab einem Zürcher Club die Grundlagen des Aikido weiter, die er als Schüler von Tamura Sensei im Honbu-Dojo gelernt hatte.

Allmählich entstanden Schulen oder Sektionen in Genf, Lausanne Zürich, Herisau und Basel.

1959 tauchte zuerst in Genf, dann in Thonon ein kleiner, schmächtiger Meister auf : Murashige Sensei. Er hatte eine eigene Idee von Aikido.

Einige Shodans wurden zu 3. Kyus degradiert, dafür vierte Kyus zum 1. Kyu befördert.

1960 erhielt das Training in Europa durch die Ankunft von Nakazono-Sensei und später durch Noro-Sensei neue Impulse.

Meister Nakazono spielte für die Schweiz eine wichtige Rolle.

Er gab als erster Erklärungen über das Bewusstsein des Hara, das Prinzip der Lebensenergie die Anwendung der Spiralbewegungen und das Kototama.

Viele hielten diese Erklärungen für nutzlos und bevorzugten das reine Körpertraining.

1964 kam Tada-Sensei nach Europa. Er liess sich in Italien nieder. Kurz darauf folgte Meister Tamura.

Die Zürcher hatten das Glück, mit diesen beiden Meistern einen Stage durchzuführen zu können.

Diese hatten es allerdings nicht leicht, die grosse Menge von Judokas eines Dan-Kollegiums vom Nutzen des Aikido zu überzeugen.

Diese Demonstration ist auf einem Film von Freddy Jacot festgehalten.

In Frankreich entstanden Konflikte zwischen Meister Noquet und den Japanischen Meistern, was sogar in einem Prozess gipfelte.

Wir in der Schweiz mussten die Folgen dieses Streites erfahren. Es gab Anschluss-Probleme und die Anerkennung durch das Honbu-Dojo war lange umstritten.

Am 21. 09. 1969 haben einige ältere Aikidokas die ACSA gegründet, unabhängig vom Schweizerischen Judo- und Budoverband.

So hatten sie den Vorteile durch den Besuch und Unterricht der Meister, die von Japan nach Europa gesandt worden waren.

1976 besuchte der damalige Doshu Kisshomaru Ueshiba die Schweiz mit allen hochgradierten Meistern in Europa.

Es fand eine Vorführung in der Turnhalle im Schulhaus Kolbenacker in Zürich-Seebach statt, die vom Fernsehen DRS aufgezeichnet wurde.

Der zuständige Sportredaktor wollte den Film aber nicht senden, er sei langweilig aufgenommen, es gäbe keine Zeitlupenaufnahmen und überhaupt sei die ganze Sache einstudiert wie im Berufs-Freistilringen.

Die ganzen Aufnahmen wurden zusammengeschnitten auf 2.5 Minuten. Aber nach einer kurzen Demonstratin im Fernsehstudio durch Fredy Jacot, die den zuständigen Chef begeisterte, wurde der Film mit Live-Demonstration durch Rolf Zuberbühler, in die Sendung Sportkalender aufgenommen.

Seit dem 1. Oktober. 1977 ist Ikeda Sensei via ACSA für die Schweiz zuständig.

Daneben gab oder gibt es immer auch andere Strömungen und Zusammenschlüsse.

Kleine Geschichte der Aikido-Schule Luzern

1976 im Herbst wurde der Judo-Club Gütsch gegründet.

1981 H.P. Tschol, Helene Tschol und Ernst Kathriner gründeten zusammen die Budo-Schule BSC Gütsch an der Bernstrasse in Luzern. Trainiert wurde in einem Raum, der ursprünglich als Autoeinstellhalle vorgesehen war.
Es wurden verschiedene Kampfsportarten und Kamfkünste angeboten. Aikido (Renato Barizzi), Karate (Peter von Rotz), Kung Fu (Andreas Müller )

1981 Ein erster Einführungskurs für Aikido wurde ausgeschrieben

Unter anderen folgende Teilnehmer: Georges Gallati, Tom Minder

Auch Leute der ersten Stunden resp Jahre waren: Armin Müller, Trix Dettling, Alfons Lötscher und Roland Ehgartner

Als Trainer war Renato Barizzi im Einsatz. Er reiste jede Woche aus dem Tessin nach Luzern und meistens auch wieder zurück, um uns in die Geheimnisse des Aikidos einzuführen.

1982 eröffnete H.P. Tschol zusammen mit Kollegen aus der Medizinalbranche an der Baselstrasse in Luzern ein Fitness-Center und eine Physiotherapie.Daran angegliedert war im obersten Stock ein schöner heller Trainingsraum.

1983 löst Christian Glesti 2. Dan Renato Barizzi als Chef-Trainer ab. Auch H.P. Tschol unterrichtet und hat inzwischen den ersten Dan. Als Mitglieder sind unter anderen offiziell im Mitgliederverzeichnis aufgeführt: Armin, Trix, und Georges.

Kleine Zwischenbemerkung:

1978 gab es in der Schweiz in der ACSA 20x 1. Dan, 9x 2. Dan, 2x 3. Dan, 0x 4. Dan und 0x 5. Dan. Bis 1985 wurden die zwei 3. Dan zu 4. Dan befördert.

Aikido Luzern war Mitglied des UAS Union Aikido Suisse Sektion Ueshiba, in der auch Renato Barizzi aktiv tätig war.

In der Zwischenzeit wurden zwei Trainings pro Woche angeboten.

Das Dojo wurde nun auch durch die Jiu-Jitsu-Schule Bushido genutzt, in der Trix Dettling und ihr Mann Marc Schwarz auch engagiert sind. Ebenfalls schon mit dabei war zu dieser Zeit Fredy Zumstein.

H.P. Tschol erhält den 2. Dan im November 1984.

1985 Die Zusammenarbeit mit Kurt Bartholet als Trainer führte uns auch in den neuen Verband ACSA, der zum Ziel hatte, einen nur für die Schweiz zuständigen, durch das Honbu Dojo in Tokyo abgesandten Lehrer, zu engagieren. Ikeda Sensei leitete regelmässig Trainings in unserem Dojo und ist noch heute Cheftrainer für die Schweiz, inzwischen 7. Dan.

1986 H.P. Tschol will kürzer treten. Der Verein Shin Getsu Dojo wird gegründet, um eine breitere Abstützung und Trägerschaft für das Dojo zu erstellen.
Die Gründungsmitglieder waren: Fredy Zumstein, Trix Dettling, Marc Schwarz, Heini Roos, Alfons Lötscher und Georges Gallati

1987 Saito Sensei, einer der wichtigsten Exponenten und Nachfolger von
O-Sensei in Iwama, kommt zum ersten Mal für einen Lehrgang in die Schweiz und gibt auch ein Training in unserem Dojo.

1988 Für das Aikido wird eine Einfache Gesellschaft gegründet. Mitglieder sind: Trix Dettling, Roland Ehgartner, Heini Roos, Alfons Lötscher und Georges Gallati

1988 Armin, Trix und Georges wurden die ersten Dan-Träger aus dem Dojo Luzern, abgenommen wurden die Prüfungen durch Ikeda Sensei. Aber schon vorher leiteten sie diverse Trainingseinheiten.

1988 Im Januar fand ein erstes Training für Kinder durch Georges Gallati statt, 1989 ein erster offiziell ausgeschriebener Einführungskurs für Kinder. Das Kindertraining in Luzern hat also auch schon eine 13-jährige Tradition.

1989 Frank Doran aus Kalifornien kam durch Beziehungen von Herbert Looser zum ersten Mal für einen Lehrgang in die Schweiz. Zu diesem Anlass gab er auch sein erstes Training in Luzern.

1990 verschiedene Probleme, die wir als Untermieter an der Baselstrasse haben, veranlassten uns, nach einem neuen Dojo Ausschau zu halten. Lange Zeit fanden wir zwar mögliche Lokale, aber die einen waren von der Grösse her nicht tauglich, andere betreffend Ausstattung und wieder andere lagen verkehrsmässig ungünstig.

1991 Der Dojo-Verein wurde fündig und beschloss, an der Werkhofstrasse 18 in Luzern, SUVA-Gebäude, wo wir ja auch heute noch sind, Raum für ein neues Dojo zu mieten. Als neuer Lehrer konnte Daniel Grob gewonnen werden.

Für den Ausbau wird ein Gremium gebildet bestehend aus: Marc Schwarz, Adi Sidler, Urs Pfulg und Alfons Lötscher, also je zwei Vertreter jeder Schule (Aikido und Jiu Jitsu).

Am 1. September 1992, nach viel Denk-, Fronarbeit und Geldsuche, durften wir unsere neuen Räume beziehen. Unser Dojo gilt seit dem als eines der schönsten in der Schweiz, worauf wir stolz sein dürfen. An dieser Stelle nochmals rückwirkend vielen Dank an alle Chrampfer von damals.

Ebenfalls 1992 traten wir aus der ACSA aus, da von dieser nicht akzeptiert wurde, dass wir auch mit andern Lehrern trainieren wollten. Wir wollten auch, dass Kurt Bartholet, mit dem wir seit vielen Jahren zusammengearbeitet hatten, unsere Dan-Prüfungen abnehmen konnte. Seit diesem Zeitpunkt waren wir via Kurt und Saito-Sensei direkt mit dem Honbu-Dojo verbunden.

1994 fand mit Endo-Sensei ein erster Lehrgang in Liechtenstein und das erste Training in unserem Dojo in Luzern statt.

1997 Mitglieder des Dojos Luzern gründeten in Sursee eine eigene Aikido-Schule. Es sind dies Urs Pfulg, Marcel Schriber, und Georges Zahno.

1997 ging ein neues Waffengesetz in die Vernehmlassung. Wenn dieses angenommen worden wäre, wäre auch unser Jo- und Bokken-Training in Frage gestellt worden.

1997 Aikido Zürich Nord, Sursee, Chur und Luzern traten dem UAS bei, aus dem wir 1995 ausgetreten waren. Dabei geht es u.a. um die Möglichkeit der Anerkennung von Dan-Prüfungen.

1998 die Einfache Gesellschaft Aikido übernimmt den Mietvertrag mit der SUVA als alleiniger Mieter.

1998 Fredy Zumstein kommt mit seiner Jiu-Jitsu-Schule als Untermieter in unser Dojo zurück.

Seit 2000 sind wir durch die Verbindung von Armin Müller zu Frank Doran Sensei auch Mitglied der AANC, dem Aikido-Verband von Nord-Kalifornien. (Seit 2002 heisst dieser Verband nun CAA)

Wir feiern nun also unser 20 jähriges Jubiläum, das wir im Kreise von vielen Freunden

Geniessen dürfen. Ich möchte an dieser Stelle zuerst einmal H.P. Tschol nochmals danken für seinen Mut, einen persönlichen und finanziellen Einsatz vor 20 Jahren, ohne diese wir heute und hier nicht feiern würden.

Der Dank gehört aber auch allen unsern japanischen und europäischen Meistern , von denen wir in den vergangenen Jahren viel lernen durften. Hier möchte ich vor allem unsern Lehrern danken, die immer wieder nach Luzern kamen um uns zu unterrichten. Speziellen Dank auch an Kurt Bartholet, der sich allen Wirren zum Trotz immer und immer wieder für unser Dojo eingesetzt hat. Er war immer wieder eine starke Antriebsfeder, die uns motivierte auf unserem Aiki-DO weiterzugehen und neue Herausforderungen anzunehmen.

Nicht zu vergessen sind aber vor allem auch die Lehrer aus den eigenen Reihen, die durch ständige Weiterbildung an nationalen und internationalen Stages, viel Trainingseinsatz und auch viel persönliches Engagement dazu beigetragen haben, dass unsere Schule das ist, was sie heute ist.

Last but not least ein Dank an alle unsere Schulmitglieder und unsere Freunde in den andern Dojos. Nur mit Schülern ist eine Schule existenzfähig und nur mit Freunden ist das Leben lebenswert.

G. Gallati / September 2001

 

(Berichtigungen oder wichtige Anmwerkungen nehmen wir gerne entgegen.)


Last modified: 11.06.2008 10:16 by Armin Mueller